Ein Film über das Werden und Vergehen

Ist es so, dass das Weiß durch seine Unbestimmtheit die herzlose Leere und unermessliche Weite des Weltalls andeutet und uns so den Gedanken an Vernichtung wie einen Dolch in den Rücken stößt, wenn wir in die weißen Tiefen der Milchstraße blicken? Oder ist es so, dass das Weiß seinem Wesen nach nicht so sehr eine Farbe ist als vielmehr die sichtbare Abwesenheit von Farbe und zugleich die Summe aller Farben, dass deshalb eine weite Schneelandschaft dem Auge eine so öde Leere bietet, die doch voller Bedeutung ist – eine farblose Allfarbe der Gottlosigkeit, vor der wir zurückschrecken?
Und wenn wir jene andere Theorie der Naturwissenschaftler bedenken, dass alle anderen Farben dieser Erde – alles stattliche oder anmutige Gepränge – die lieblichen Tönungen der Wolken und Wälder bei Sonnenuntergang, fürwahr, und der güldene Samt der Schmetterlinge und die Schmetterlingswangen junger Mädchen – dass alles das nur arglistige Täuschungen sind, die den Dingen nicht wirklich innewohnen, sondern ihnen bloß von außen aufgetragen sind, so dass die ganze vergötterte Natur sich in Wahrheit anmalt wie die Hure, deren verlockende Reize nur das Leichenhaus in ihr verdecken; und wenn wir noch weiter gehen und bedenken, dass das geheimnisvolle Kosmetikum, das alle ihre Farben erzeugt – das große Prinzip des Lichts – selbst für immer weiß und farblos bleibt und, so es ohne Medium auf die Materie einwirkte, alles, ja sogar Tulpen und Rosen, mit seinem eigenen, leeren Blässe überzöge – wenn wir das alles erwägen, so liegt das gichtbrüchige Universum vor uns wie ein Aussätziger, und wie ein mutwilliger Reisender in Lappland, der sich weigert, farbige und färbende Augengläser zu tragen, so starrt sich der elendige Ungläubige blind, da er den Blick nicht vom endlosen weißen Leichentuche wenden kann, das alles, was er ringsum sieht, verhüllt.
(aus Moby Dick)

TRAILER

You need to install or upgrade Flash Player to view this content, install or upgrade by clicking here.

 

Sommer 2009. Ich drehe mit meiner kleinen Digital-Handkamera Bilder einer Alm, die in ihren rituellen Abläufen und unveränderten Gewohnheiten immer noch dieselbe ist, wie die vieler Sommer zuvor. Meine Absicht war damals weniger einen Film über die Alm und ihre Bewohner (ich denke dabei auch an die Tiere der Alm) zu machen, sondern vielmehr Bilder dieses Lebens festzuhalten. Veränderte klimatische Verhälnisse und vor allem eine zunehmende Erschließung durch immer mehr Wandertouristen, werden die Alm in nur wenigen Jahren unwiederruflich verändert haben.
Das Leben spielt sich hier ausschließlich in den Sommermonaten zwischen Juni und Oktober ab. Der größte Bauer des Ortes treibt seine Milchrinderherde Mitte Juni auf die Weide in 2000m Höhe. Von nun an beginnt von 5Uhr morgens bis 21Uhr abends ein Tagesrhythmus, der sich bis zum Almabtrieb Anfang Oktober nicht verändern wird – Misten, Melken, Füttern, Kühe auf die Weide treiben, Sahne von der Molke trennen, Butter kübeln, Kühe in den Stall treiben, Melken, Füttern. Einzig die Tage werden kürzer, die Wiesenblumen weniger und die Nächte kälter. Doch in diesem Jahr bricht der Winter früher ein als erwartet.

Sommer 2013. Ich setze mich an meinen Computer und montiere die Bilder in einer dramaturgischen Abfolge von Tag und Nacht, verschiedenen Wetterverhältnissen und den einzelnen Herstellungsschritten der Milch- und Butterproduktion. Ich entziehe den Bildern die Farbe. Was bleibt ist das dunkle Schwarz und das Weiß, das alles verhüllt.

FILM STILLS